Recruiting Diagnostik
Myers-Briggs: Astrologie fürs Büro?
Diese magische Team-Building-Nummer, bei der plötzlich jede:r ein vierstelliges Kürzel trägt wie einen Orden. Ganz nett. Aber ist das Wissenschaft? Nein.
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Der Test wurde nicht von einer Doktor Myers und nicht von einem Doktor Briggs erfunden. Die beiden hatten keine psychologische Ausbildung. Sie haben Jungs Theorien gelesen, die schon damals umstritten waren, und daraus vier schöne Buchstaben gebastelt. Der Grund, warum das so eingeschlagen hat, ist simpel. Jede Beschreibung ist im Kern ein vages Kompliment, und bei vagen Komplimenten nicken wir alle. Das nennt sich Barnum-Effekt, und genau so funktionieren auch Horoskope.
Im Grunde ist Myers-Briggs Astrologie fürs Büro. Die Fragen bewegen sich ungefähr auf dem Niveau von „Welche Disney-Prinzessin bist du?". Denkst du lieber in Fakten oder in Gefühlen? Kommt drauf an. Lebst du in der Gegenwart oder in der Zukunft? Kommt auch drauf an. Und das ist der Punkt. Menschen sind keine Schublade.
Wenn dieselbe Person den Test zweimal macht, kommt erstaunlich oft ein anderes Ergebnis heraus. Ein Instrument, das nicht einmal sich selbst reproduziert, soll uns erklären, wie wir zusammenarbeiten sollen?
Und jetzt der Teil, der mich als Headhunter wirklich umtreibt. Wir stecken Menschen in bunte Persönlichkeitsraster, weil das Antworten liefert, die sich gut anfühlen. Nur bringt uns kein Vierbuchstaben-Code der eigentlichen Frage näher. Was ist diesem Menschen wirklich wichtig? Wofür steht er, auch wenn es unbequem wird? Teams scheitern selten daran, dass eine:r ein „T" ist und der:die andere ein „F". Sie scheitern an unterschiedlichen Werten, über die nie jemand offen gesprochen hat.
Damit wir uns richtig verstehen. Werte-Reflexion ist auch kein Laborinstrument, und ich behaupte nicht, dass sie eines wäre. Sie misst nichts auf drei Stellen hinter dem Komma. Der Unterschied liegt woanders. Sie versucht gar nicht erst, dich in einen Typ zu sortieren. Sie stellt eine Frage statt eines Etiketts, und noch dazu die richtige.
Genau deshalb arbeite ich lieber mit ehrlicher Werte-Reflexion als mit Persönlichkeits-Bingo. Die Auseinandersetzung damit, welche Werte ein Mensch und eine Organisation tatsächlich leben ist unbequemer als vier hübsche Buchstaben, aber es ist das, was am Ende trägt.
Was sind eure Erfahrungen mit Persönlichkeits-Diagnostik? Welche nutzt ihr, und warum?
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