Freunde bei der Arbeit
Hat jemand sogar drei Work-Best-Friends? Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich glücklich, erfüllt und zufrieden bei der Arbeit fühlt: +96 %.
Wenn eine neue App oder ein KI-Tool diese Zahlen versprechen würde, würden Unternehmen sofort Budgets freigeben.
Aber weil es um Beziehungen geht, behandeln wir diesen Faktor wie eine Randnotiz im Jahresbericht.
Jetzt die Gegenfrage, die ich ernst nehme.
Es gibt eine verbreitete Überzeugung, dass Wettbewerb unter Mitarbeitern Leistung erzeugt. Dass Ellenbogenmentalität Hunger erzeugt. Dass wer um seinen Job kämpft, besser arbeitet. Diese These ist nicht absurd. In kurzfristigen, transaktionalen Umgebungen kann interner Wettbewerb tatsächlich Spitzenergebnisse produzieren.
Aber er hat einen Preis. Wissenssilos. Vertrauensverlust. Fluktuation. Und eine Führungskultur, die permanent Energie verbraucht, weil niemand dem anderen wirklich hilft.
Warum ein wertebasierter Ansatz hier den Unterschied macht.
Wir erleben bei unserer Arbeit mit Organisationen immer wieder dasselbe Muster: Echte Freundschaften am Arbeitsplatz entstehen nicht durch Team-Events oder Tischkicker. Sie entstehen dort, wo Menschen wissen, nach welchen Werten das Unternehmen und die Menschen darin wirklich handeln, nicht nur nach denen, die auf der Website stehen.
Wenn Core Values gelebte Realität sind und keine Dekoration, dann schaffen sie den Rahmen, in dem Menschen sich trauen, verletzlich zu sein. Sich gegenseitig zu vertrauen. Beziehungen aufzubauen, die über das Funktionale hinausgehen.
Psychologische Sicherheit, einer der stärksten Prädiktoren für Teamleistung laut Googles Project Aristotle, ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis von Führung, die Werte nicht predigt, sondern vorlebt.
Ellenbogenkultur und echte Bindung schließen sich gegenseitig aus. Man kann nicht beides haben.
Was das für Führungskräfte bedeutet
Wer echtes Engagement will, muss die Bedingungen schaffen, unter denen Vertrauen wachsen kann. Das ist keine HR-Aufgabe. Das ist eine Führungsaufgabe. Und sie beginnt mit der Frage: Welche Werte erlauben wir in unserem Unternehmen wirklich?
Denn Freundschaft am Arbeitsplatz ist kein Soft Skill. Sie ist das Ergebnis einer funktionierenden Unternehmenskultur.
Was denkst du: Ist eine wertebasierte Kultur Voraussetzung für echtes Engagement, oder romantisieren wir das Thema Bindung am Arbeitsplatz?
Quelle: Gallup Q12 Employee Engagement Survey / Gallup Workplace Research 2022 sowie Google Project Aristotle (2016)

